C2-Aufbaulehrgang: Auffrischung und Ergänzung
Ausbilder im eigenen Verein - für viele talentierte Amateurmusiker ein erstrebenswertes Ziel. Das notwendige musikalische und pädagogische Handwerkszeug vermittelt der C2-Kurs in den Mitgliedsverbänden des BDB oder an der BDB-Musikakademie. Dort gibt’s ab Sommer 2010 sogar einen C2-Aufbaulehrgang.
Zukünftige Vereinsausbilder im Kreismusikverband Germersheim (v.l.): Philipp Klöckner (MV Bellheim), Ruth Schwab (MV Bellheim), Anna Lena Winstel (Kultuskapelle Hayna), Janina Winstel (Kultuskapelle Hayna), Ute Wolf (MV Leimersheim), Julia Neumannn (MV Leimersheim), Jasmin Berdel (MV Rheinzabern), Matthias Wolf (Lehrgangsleiter), Alexandra Höhl (MV Bellheim).
Die Stimmung ist feierlich in der Turnhalle im pfälzischen Jockgrim. Kein Wunder, schließlich ist es ein „großer Tag“ für den Kreismusikverband Germersheim, wie es Verbandsjugendleiter Matthias Wolf ausdrückt. Und auch für die neun Absolventen des C2-Kurses ist dieser Tag ein ganz besonderer. Insgesamt 80 Stunden mussten sie absolvieren, auf dem Stundenplan standen die Methodik des Lehrens und Lernens, Instrumentalunterricht, Gehörbildung oder Musikgeschichte.
„Es war sehr zeitaufwändig, vor allem weil wir auch zuhause viel für den Kurs arbeiten mussten“, sagt Julia Neumann aus Leimersheim, die Lehrgangsbeste. Auch Jasmin Berdel aus Rheinzabern hat der Kurs gefallen. „Ich freue mich schon darauf, meine Erfahrungen im Verein weiterzugeben“, sagt sie begeistert. Und das sollen die Absolventen auch. Schließlich dürfen sie sich nun offiziell Instrumentallehrer (C2) nennen, mit BDB-Abschluss.
Der Bund Deutscher Blasmusikverbände (BDB) sorgt für die ordnungsmäße Durchführung der Kurse in den Verbänden. Prüfungsvorsitzender im Kreismusikverband Germersheim war deshalb Joachim Volk von der BDB-Musikkommission. Doch der Dachverband macht nicht nur in Qualitätssicherung, er bietet in der BDB-Musikakademie in Staufen auch selbst C2-Kurse an. Der dauert fünf Wochenenden und soll neben musikalischen vor allem pädagogische und psychologische Aspekte vermitteln. Ergänzend dazu findet in diesem Jahr zum ersten Mal ein sogenannter C2-Aufbaulehrgang statt. „Das ist eine Mischung aus Auffrischung und Ergänzung“, sagt Dozent Michael Stecher.
Der Aufbaulehrgang findet am letzten Juni-Wochenende in Staufen statt. Zielgruppe sind Musiker, die in den letzten Jahren einen C2-Kurs absolviert haben. Aber nicht nur – der Kurs richtet sich an alle, die ein Instrument unterrichten. Auf dem Lehrplan stehen beispielsweise neue Methoden des Instrumentalunterrichtes, Verstehen von und Denken in Musik, entwicklungspsychologische Aspekte des Musiklernens, aber auch Unterrichtsplanung – und die Frage, wie man seine Schüler am besten motiviert. Und in diesen Fragen, sagt Michael Stecher, könnten auch gestandene C2-Absolventen noch eine Menge dazulernen.
Der Kurs habe sich nämlich stark verändert in den letzten Jahren. „Früher war es teilweise eher theorielastig“, sagt Stecher. Jetzt liegt der Fokus viel stärker auf Psychologie und Pädagogik. Ein großes Thema ist aber auch Audiation – die Frage, wie sich das Denken in Musik bei Kindern und Jugendlichen entwickelt. „Das ist ein ganz zentrales Feld“, sagt Stecher, „und da brauchen zukünftige Lehrer Handreichungen und Hilfestellung.“ Großes Augenmerk wird auch auf den Bereich Kommunikation gelegt, auf Sprache und Körpersprache. „Der praktische Anteil ist sehr viel stärker geworden“, sagt Stecher.
Zeitaufwändig ist der C2-Kurs immer noch. Veranschlagt werden fünf Wochenenden, am letzten findet die Abschlussprüfung statt. Voraussetzungen: Sehr gute Fähigkeiten im Instrumentalspiel auf Niveaustufe D3 oder höher. Außerdem müssen die Teilnehmer nach der ersten Phase mindestens zwei Schülerinnen regelmäßig unterrichten. „Pädagogik aus dem Lehrbuch ist immer schwierig“, sagt Stecher, „man lernt durch Hospitieren und durch Probieren.“ Unterrichten wird auch den den Kurswochenenden in Staufen großgeschrieben – die Schüler werden aus dem Umfeld der Musikakademie groß geschrieben.
Diese Stunden sind auch Teil der Abschlussprüfung. „Da wird der gesamte Kursverlauf betrachtet“, sagt Stecher. „Es ist ja ein Lehrdiplom, da trägt der BDB auch Verantwortung“, meint er. Jeder Kurs hätte zwischen 15 und 20 Teilnehmern – zwei bis drei davon würden ihn nicht bestehen. Meistens jedenfalls. „Wir hatten aber auch schon Kurse, in denen es alle geschafft haben“, sagt er. Unterrichten sei auch Talentfrage: „Pädagogik ohne Bauchgefühl gibt es nicht“, sagt er. „Aber zur guten Pädagogik wird sie erst dann, wenn man beginnt, über sein Bauchgefühl nachzudenken.“
Einer der C2-Absolventen in der jüngsten Zeit ist Mathias Pfläging – der 31-jährige reiste im Jahr 2008 aus dem Sauerland an. Mittlerweile dirigiert er drei Orchester und unterrichtet Horn, Tenorhorn und Trompete an Musikschulen, seinen C2-Kurs schloss er mit Bestnoten ab. „Jeder, der unterrichten will, sollte das gemacht haben“, sagt Pfläging. „Ich habe zwar schon ein paar Seminare zu Thema Pädadogik gemacht, konnte aber trotzdem viel lernen: Wie lasse ich das Spielerische mehr einfließe? Wie das Rhythmische, ohne dass ich was klatschen muss?“ Komplett umgestellt habe er seinen Instrumentalunterricht nicht. „Ich baue jetzt aber einige Sachen anders auf.“
C2-Aufbaulehrgang
Der C2-Aufbaulehrgang findet vom 25. bis zum 27. Juni 2010 in der BDB-Musikakademie in Staufen statt. Anmeldeschluss ist der 10. Juni. Der nächste reguläre C2-Lehrgang als Ausbildung zum Instrumentallehrer startet im Januar 2011.
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